2019 Kinderlager Kovive

Bereits schon letztes Jahr stand ich für das Kinderhilfswerk Kovive eine Woche lang im Einsatz für eines der vielen Kinderlager. Es hatte mir so gut gefallen, das ich mich auch dieses Jahr wieder freiwillig gemeldet habe.

So eine Lagerwoche mit Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 13 Jahren fordert zwar einiges von einem ab, aber es ist auch einfach nur wahnsinnig lustig und wild! Zeitweise anspruchsvoll und dann auch immer wieder sehr lehrhaft. Eine Woche fast nur draussen in der Natur mit vielen Aktivitäten wie einer Nacht unter freiem Himmel im Biwak oder auch einem Wolfspfad bei Mondschein im Wald. Solche Ferien hat man auch nicht alle Tage, da lohnt sich der hohe persönliche Einsatz definitiv. Wer braucht schon Schlaf und Erholung 🙂

Es hat mich extrem gefreut, dass auch dieses Jahr fast alle vom letztjährigen Lager-Team wieder mit dabei waren. Und auch einige der Kinder vom letzten Jahr kamen wieder mit. Letztes Jahr war es doch noch etwas schwieriger, da wir Lagerleiter uns nicht wirklich gut gekannt hatten. Dieses Jahr war das ganz anders und wir konnten einander gut ergänzen und viel Witz mit in die Woche bringen.

Das diesjährige Lager trug den Titel „Abenteuer Natur“ und fand wiederum im Beatenberg im Berner Oberland statt. Das Wetter meinte es gut mit uns und zeigte sich von seiner besten Seite. So war es auch im höher gelegenen Beatenberg immer schön warm und man konnte die Zeit draussen im Wald wirklich geniessen. Es wurden viele Spiele gespielt und viel gemeinsam unternommen. Die Woche ging wieder viel zu schnell vorbei!

Zurück bleiben viele schöne Erinnerungen und ich freue mich schon aufs nächste Jahr.

Wer sich auch mal für einen Freiwilligeneinsatz bei Kovive interessiert, der kann sich auf der Seite https://kovive.ch/was-wir-machen/camps-fuer-kinder-und-jugendliche-in-der-schweiz/ informieren. Ich kann es auf jeden Fall nur empfehlen!

Hier ist zudem der ausführlichere Beitrag vom letzten Jahr zu finden: http://www.gabis-reisen.ch/?p=12499

Aus Datenschutzgründen veröffentliche ich selber keine Fotos vom Lager auf der Homepage. Es können aber einige Fotos auf der Homepage von Kovive angeschaut werden auf dieser Seite https://kovive.ch/was-wir-machen/visuell-mit-dabei/ im Bereich vom „Abenteuer Natur, Beatenberg, Sommer 2019“

Hier noch mein ausführlicher Lager-Bereicht, welchen ich fürs Kinderhilfswerk Kovive verfasst habe:

Bericht Kinderlager «Abenteuer Natur» vom 21. bis 27. Juli 2019
Wie der Name vom Lager schon deuten lässt, liegt der Hauptfokus vom Lager in der Natur. So wurden die 17 Kinder im Alter zwischen 9 und 13 Jahren nach einem kurzen, aber steilen Aufstieg zum Lagerhaus «Hubelhuus» im Beatenberg BE auch gleich mit einem feinen Essen belohnt, das direkt auf einem Feuer im Wald von unserem Koch zubereitet wurde.
Noch bevor die Kinder das Lagerhaus betreten und ihre Schlafräume einrichten konnten, startete im Wald eine grosse Kennenlern-Runde zwischen den Kindern und den Leitern mit verschiedenen Spielen. Schlussendlich musste auch das Lager-Haus mit einem Spiel «erobert» werden. Dazu wurden die Kinder in 4 Gruppen eingeteilt und durch Lösen von verschiedenen Rätsel konnte jede der 4 Gruppen eine der vier Zahlen für das Zahlenschloss der Tür vom Hubelhuus erhalten. So war es denn auch nur möglich, dass alle Kinder gemeinsam mit den vier einzeln erspielten Zahlen überhaupt den Zugang zum Schlüssel und somit zum Haus fanden.
Schnell wurden die einzelnen Zimmer eingerichtet und manch einer staunte nicht schlecht über die tolle Aussicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau und über die vielen Grillen, die lautstark draussen zirpten.
Im Garten direkt vor dem Haus waren es nun die Kinder, die zusammen Erwartungen und Befürchtungen an das Lager zusammentrugen und auch ihre eigenen Regeln aufstellten. Vor allem der «respektvolle Umgang» untereinander war den Kindern besonders wichtig.
Es blieb noch genug Zeit für verschiedene Spiele im Wald und auch auf der Wiese, bevor es dann nach dem Znacht Zeit wurde, in die Betten zu gehen.
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen von zwei Workshops, bei denen die Kinder neues Wissen erlernen konnten, welches ihnen für den Rest vom Lager von Nutzen sein konnte. So wurde den Kindern im Workshop «Feuer» vieles über das Lagerfeuer vermittelt; wie es am einfachsten entfacht und auch wieder gelöscht werden kann, wie man mit Ästen ein Gestell für einen Kochtopf bauen kann und auch wo die Gefahren liegen. Im zweiten Workshop «Klettern» gings bereits wild zu und her; neben dem individuellen Einstellen der Klettergurte durften sie dann auch gleich schon Bäume mit Klettervorrichtungen besteigen und sich das erste Mal ins Seil hängen lassen.
Und schon stand dann auch das Klettern im Fokus; am folgenden Tag wurde in Wilderswil BE mutig am Fels geklettert und sich abseilen lassen. Wer nicht am Klettern war, sicherte entweder seine Kameraden oder aber half bei einem wilden Wald-Buffet für den Zmittag mit. Besonders schön war an diesem Tag die Schlichtung eines Streites zu beobachten, welche komplett von den Kindern untereinander moderiert und ausgetragen wurde.
Am darauffolgenden Tag konnten sich die Kinder in Gruppen in einem «City-Bound» messen. Da galt es zum Beispiel etwas von einem Koch zu organisieren oder auch einen Satz auf Arabisch übersetzen zu lassen. Es war toll zu sehen, wie die Kinder selbständig auf fremde Personen zugingen und versuchten, diese Dinge zu beschaffen. Am Nachmittag wurde dann ausgiebig in der Seebadi Bönigen im Wasser geplantscht. Der Tag machte grossen Hunger, dieser wurde durch viele bunte Spiessli auf dem Grill direkt vor dem Lagerhaus gestillt.
Es folgte eine fröhliche Stunde, bei der alle Kinder ausgelassen zur Musik direkt vor dem Lagerhaus mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau in den schönsten Farben vom Sonnenuntergang am Tanzen waren. Doch der Tag war noch nicht ganz vorbei. Nach dem Eindunkeln fanden sich alle Kinder am Waldrand ein und setzten sich dort im Kreis um den «Heldentrank», der durch Trockeneis und LED-Licht mystisch aus dem Topf rauchte und farbig schimmerte. Mit dem Heldentrank gestärkt machte sich jedes Kind einzeln auf zum «Wolfspfad» quer durch den Wald auf einen Weg, der nur mit Kerzen ausgeleuchtet war. Sie hatten dabei Zeit, sich auf das wesentliche zu fokussieren und sich Gedanken zu sich selbst zu machen. Viele brauchten grossen Mut, um alleine durch den Wald zu gehen. Schlussendlich haben es alle Kinder geschafft, manch eines hatte davor grosse Zweifel und Angst.

Donnerstag und Freitag standen ganz im Zeichen einer grossen Expedition. Für einmal waren es die Kinder, die die Expedition anführten und nicht die Leiter. Sie mussten sich selbstständig in Gruppen organisieren, so war etwa die Gruppe «Weg» für das Finden vom Weg zuständig, die Gruppe «Feuer» für das Beschaffen von Holz und Feuer machen, die Gruppe «Essen» für das Kochen von Zmittag und Znacht und die Gruppe «Biwak» für das Aufstellen der Tarps.
Auch das Material mussten die Kinder selber zum Übernachtungsort transportieren. Schnell wurde klar, dass einige Kinder sehr viel und andere sehr wenig trugen. Mehrfach musste untereinander ohne Hilfe der Leiter das Gepäck neu aufgeteilt werden.
Auch bei den anderen Ämtlis gab es Kinder die sehr engagiert mitwirkten und andere, die sich eher passiv verhielten. Aufgrund der passiven Haltung der Leiter wurden den Kindern auf der Expedition bewusst, wie selbstverständlich sie so vieles ansehen und wieviel Kraft es braucht, um in der Gruppe alle dazu zu bringen aktiv mitzuhelfen. Schlussendlich aber brutzelte das Risotto auf dem Feuer und auch die Tarps waren aufgestellt. Aufgrund eines Gewitters endete die Nacht dann aber für alle in einem Kuhstall, was die Kinder natürlich umso besser fanden.
Nach Abschluss der Expedition am Freitag stand noch der Abschluss-Abend auf dem Programm, bei dem die Kinder Improvisations-Theater spielten und in einer Disco ausgelassen tanzten.
Zusammengefasst war es extrem schön zu beobachten, wie die Kinder nach ihren eigenen aufgestellten Regeln im Lager ein freundliches Miteinander schufen konnten und manch einer während des Lagers wahrlich über sich selbst herausgewachsen war. Es wurde gelernt, dass man auch mit Kommunikation vieles erreichen kann und es manchmal notwendig ist, einen Kompromiss zu finden. Und neben dem Herauswachsen lernten sie auch, persönliche Grenzen und Ängste wahrnehmen und damit umgehen zu können. Und sie haben gelernt, Respektvoll mit der Natur umzugehen.
Die vielen glücklichen und fröhlichen Kinder, die sich beim Abschied umarmten, zeigte dies umso deutlicher.